Eine Luftschlacht über Österreich

 

Die große Übersichtskarte zeigt sehr viele Standorte von Fliegerhorsten, Radarstationen, Flak Stellungen und Scheinwerfer Batterien. Aber wie funktionierte das alles? Dieser Frage soll hier weiter nachgegangen werden. Um den Ablauf besser erklären zu können, werde ich einen Luftangriff auf Wien darstellen, wie sich er in ähnlicher Form über 50 mal wiederholt hat.

 

 

1) Start der alliierten Bomber:  

 

Einer der letzten amerikanischen B25 Bomber startet 2000 in Zeltweg..

Foto: Bundesheer

 

Die Bomber, die Österreich angriffen, stammten praktisch alle von der 15. US Luftflotte, welche auf mehreren Flugplätzen in der Umgebung des italienischen Ortes Foggia stationiert war. Diese Luftflotte bestand aus:

 

Bomb Wings: 5., 47., 49., 55. und 304.

 

Fighter Wing: 306.

 

Photo Wing: 90.

 

Diese Bomb Wings waren vor allem mit Viermotorigen Bombern der Typen B-24 und B-17 "Flying Fortress" ausgerüstet.

 

Groß Britannien beteiligte sich vor allem mit Angriffen der 205. Bomber Gruppe. 

 

 

 

 

2) Anflug nach Norden:

 

Nach dem Start in Italien ging es sofort auf direktem Weg ins Reichsgebiet Umwege über den Balkan waren die Ausnahme.

 

 

 

 

3) Erste Ortung der Bomber:

 

Wenn die US Einheiten den Norden Italiens erreichten, dann wurden sie meist schon von deutschen Radarantennen mit sehr großer Reichweite erkannt.

"Freya" Antennen konnten Flugzeuge auf einer Höhe von 8.000 Metern schon aus 120km Entfernung orten. Allerdings war keine Höhenbestimmung möglich. Antennen dieser Art besaß z.B. die Jägerleitstelle "Sonnenblume" auf dem Speikogel in der Steiermark stationiert.

 

 

 

 

 

 

4) Die Jägerleitstellen treten in Aktion:

 

Mit der ersten Ortung der Feindflugzeuge übernahmen die Jägerleitstellen eine sehr wichtige Rolle. Sie mußten anhand der geschätzten Flugroute der Bomber erkennen, was ihr Ziel war und dem entsprechend deutsche Jagdeinheiten (falls welche verfügbar waren) alarmieren ein "Pokerspiel", das sehr oft furchtbare Folgen hatte.

 

 

 

 

5) Die Bomber überqueren die Alpen

 

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, daß die US Bomber sehr häufig eine direkte Flugroute über den Alpenhauptkamm wählten und sich vor einem Angriff auf den Osten Österreichs (Wien, Wr. Neustadt,...) im Raum St. Pölten sammelten. Diese Flugetappe stellte für die Alliierten Piloten eine nicht unerhebliche Gefahr dar. Berge und das unberechenbare Wetter forderten ihren Tribut viele Bomben "Notabwürfe" und Abstürze waren die Folge. Zusätzlich waren dort auch einige Flak - Batterien stationiert, wie auf der Tauplitzalm in der Steiermark.

 


Foto: Bundesheer

Die P-51 B ein gefürchteter Gegner für deutsche Piloten.

In dieser Phase des Angriffs führten die US-Einheiten auch sehr oft Ablenkungsmanöver durch. Mehrere Maschinen (meist Jagdbomber oder Jäger) schwenkten dazu aus der Formation aus und griffen meist im Tiefflug Bahnanlagen und Industriebauten an. Ein "Paradebeispiel" dafür ist der Raum Judenburg, der durch solche Angriffe weitgehend verwüstet wurde.

 

 

 

 

6) Sammelpunkt St.Pölten

 

Nach der Überquerung der Alpen sammelte sich der Bomberpulk meist im Raum St.Pölten. Dies hatte den Vorteil, bei Schlechtwetter im Zielgebiet, sehr schnell ein Ersatzziel anfliegen zu können sei es Wien, Wr. Neustadt oder Linz.

 

 

 

 

7) Zielanflug

Nun folgte der Zielanflug auf das jeweilige Ziel der Bomber. Spätesten jetzt war der deutschen Flugabwehr auch die Flughöhe der Feinde bekannt, denn in der Umgebung der wichtigeren Ziele befanden sich zahlreiche Radaranlagen der Type "Würzburg Riese" (siehe Foto unten. Standorte z.B. in: Moosbierbaum, Linz, Stammersdorf, Flaktüreme,...). Sie erlaubten auch eine exakte Höhenbestimmung von Flugzeugen. Dadurch war es möglich den Jägern und den Flak-Batterien genaue Zielangaben zu machen. Dadurch fiel in diese Phase des Kampfes meist die heftigste Abwehr.

Es war der Zeitpunkt, der über Erfolg und Mißerfolg beider Seiten entschied.

 

 

Die Me109 war der wichtigste deutsche Jäger. Praktisch alle in Österreich stationierten Jagdeinheiten (was nicht viele waren!) waren damit ausgerüstet.

Foto: Bundesheer

 

 

 

8) Die "Pfadfinder" kommen

 

Die Bomber selbst führten meist keinen genauen Angriff durch das Zielen lag bei anderen: den sogenannten "Pathfinder" Flugzeugen. Sie warfen ihre Bomben (bei Nacht die berühmten "Christbäume") genau über dem Ziel ab. Die Bomber mußten ihre Last dann nur noch auf die Brände am Boden werfen!

Foto: Schmitzberger
Eine P-38 in der "Pathfinder" Version


 

 

8) Der Bombenabwurf

Jetzt öffneten die Bomber ihre Bombenschächte und warfen ihre tödliche Last ab. Meist nur für einige wenige Minuten waren die Bomber innerhalb der Reichweite der deutschen Flak. In diesen Minuten feuerten die schweren Flak Batterien aus allen Rohren. Kanonen der Kaliber 8,8 und 10,6cm waren am häufigsten. Auf den wiener Flaktürmen waren aber auch 12,8cm Zwillingsgeschütze montiert.

 

Trotz hochmoderner Radaranlagen (hier ein "Würzburg Riese")...

Foto: Timo Schiel www.lostplaces.de

 

 

 

 

...schaffte die Flak (hier eine "8,8er") kaum eine höhere Abschußquote als 1-2 %!

 

 

 

9) Der Rückflug

Er war das letzte Kapitel in der blutigen Geschichte eines Bombenangriffs. Oft noch lange von deutschen Jägern verfolgt, traten die US Bomber meist wieder ihre Reise über die Alpen an. Nicht wenige beschädigte Bomber schafften den Alpenüberflug nicht mehr. Viele Bomberpiloten zogen dem drohenden Absturz eine Notlandung und damit die Internierung in der neutralen Schweiz vor.

 

 

Zusammenfassung

 

Abschließend ist zu sagen, daß der Luftkrieg über Österreich für beide Seiten extrem hohe Verluste brachte. Während die US-Airforce bei ihren Tagangriffen zahllose Besatzungen verlor, bedeutete der Luftkrieg für das deutsche Reich die Zerstörung praktisch der gesamten Industrie und die Vernichtung weiter Teile seiner Städte.

 

 

M.S.